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    1908-1912




    Die Vorgeschichte des S.C. Comet (1908—1910)


    „Blau und Gelb sind unsere Farben
    blau und gelb ist unsere Tracht;
    als wir uns zusammengefunden,
    wir Comet zusammengebracht."


    Liebe Freunde, wenn wir hiermit den Versuch unternehmen, die Gründungsgeschichte unseres Vereins noch einmal lebendig werden zu lassen, dann müssen wir Sie bitten, sich mit uns in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg zu versetzen, die von den älteren Kameraden so gern als die „gute alte Zeit" gepriesen wird.

    Dieser Bitte nachzukommen, dürfte naturgemäß der älteren Generation nicht schwerfallen, wogegen es dem jüngeren Leser kaum gelingen wird, sich das Leben der Menschen von damals und ihre Einstellung zum Sport vorzustellen.

    Schon die Tatsache, daß Neumühlen-Dietrichsdorf dereinst ein vor den Toren Kiels gelegener selbständiger Ort war, der von den Kielern gern zum Ziel eines Sonntagsausfluges gemacht wurde und in keiner Weise mit dem heutigen Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf und seiner im Rhythmus der Zeit gewachsenen Bevölkerung verglichen werden kann, mag erkennen lassen, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Heute mag uns vieles von dem, was für unsere Gründer bitterer Ernst und dazu angetan war, ihnen die Freude an dem neuen Spiel zu verderben, unverständlich erscheinen. Um so höher ist daher der Idealismus und die Treue zu bewerten, mit der sie ihr Ziel verfolgten, den von ihnen gegründeten Verein gegen alle Einflüsse ihrer Zeit zu behaupten.

    Mit einem Ball fing es damals an, mit einem Ball, den Martin Knudsen von den im Hafen liegenden Schiffen mitbrachte. Es war kein gewöhnlicher Ball, sondern ein aus vielen Teilen zusammengenähter Lederball, größer und trotzdem leichter. Es war ein Fußball also, wie die Mittelschüler Willi Bage und Otto Grünberg erklärten. Ihre Kenntnisse gingen sogar so weit, daß sie wußten, daß dieser Ball von einer aus mehreren Spielern bestehenden Mannschaft ohne Zuhilfenahme der Hände in ein sogenanntes Tor mit dem Fuß getreten werden mußte. Die gleichstarke Gegenpartei hatte dieses Unterfangen zu verhindern.

    Die ersten Spiele wurden auf den abgeernteten Koppeln der hiesigen Bauern ausgetragen, sehr oft gegen die energischen Proteste derselben, und mancher tapfere Spieler mußte seine Begeisterung mit einer Tracht Prügel bezahlen. Die Eltern unterstrichen ihre Abneigung gegen das „verrückte Spiel" in vielen Fällen mit Arrest, und mancher Vater band den Leibriemen ab, um seinem Filius die Flausen aus dem Kopf zu treiben.

    Alle Maßnahmen sollten sich jedoch als zwecklos erweisen; einmal Feuer gefangen, zog es die Jugendlichen des Dietrichsdorfers Bauvereins immer wieder hinaus, um ihrem Spiel nachzugehen.

    So manche harte Schlacht fand des Abends unter der Gaslaterne in erbitterten Diskussionen ihre Fortsetzung. Hier wurde auch der Gedanke geboren, es den in der Stadt schon bestehenden Vereinen nachzumachen und sich zu einem Fußball club zusammenzuschließen. Die Jungen der auf dem Bauverein wohnenden Familien gründeten schließlich im Jahre 1908 den Fußballclub „Comet". Die Gründungsversammlung fand in der Gastwirtschaft „Hohenrade" statt. Der Name, der auf jeden Fall neutral zu sein hatte, wurde in Erinnerung an die stolzen Erfolge der damaligen sieggewohnten Stationsjacht der Kaiserlichen Marine, wie unter dem Eindruck der die Welt in Aufregung haltenden Cometen Daniel (1907), Marchouse (1908), Halley (1910) gewählt. Zu ihren Vereinsfarben bestimmten sie „Blau-Gelb". Hermann Jäger wurde einstimmig als erster Vorsitzender und Erich Wiegner wurde als erster Schriftführer gewählt. Fritz Neumann übernahm die Kassierung; und mit fünf Pfennigen Wochenbeitrag für Schüler und zehn Pfennigen für Lehrlinge sollten die finanziellen Voraussetzungen für einen geregelten Spielbetrieb geschaffen werden. Der mit dem Hamburger Sporthaus „Ortlepp" geführte Schriftverkehr führte nicht zum Erwerb der heißbegehrten blau-gelben Tracht, weil diese nicht vorrätig war. Eine Sonderanfertigung war dem schmalen Kassensäckel nicht zuträglich, und man entschied sich schweren Herzens, zunächst auf eine Tracht zu verzichten. Für 17,50 RM wurden im Sport-haus Steidel in Berlin ein Ball mit Netz, eine Pumpe, eine Schnürnadel und ein Regelheft bestellt. Die Nachnahme von 80 Pfennigen mußte Frau Neumann auslegen, weil die Kasse überfordert war.

    Die bislang ausgetragenen Spiele gaben den gewählten Verantwortlichen eine gewisse Regelkenntnis und genügend Gelegenheit, die elf Besten zu einer ersten Mannschaft auszuwählen. Das erste Spiel gegen einen anderen Verein konnte also steigen. Die zweite Mannschaft von „Preußen" war der erste Gegner und wurde 1:0 geschlagen. Mutig geworden, forderte man die erste Mannschaft des gleichen Vereins, um mit 0:19 für diese Überheblichkeit bestraft zu werden.

    Gegen die ständigen Verfolgungen der Bauern, auf deren Koppeln man immer noch spielte, wurde ein Warn- und Notdienst eingerichtet. Ein Späher hatte aufzupassen, daß die Aktiven rechtzeitig gewarnt wurden. Der organisierte Räumdienst sorgte dafür, daß das Sportgerät in Sicherheit kam, wobei jeder eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hatte. Saß man ihnen allzu sehr auf den Fersen, wich man in eine der zahlreichen Kiesgruben aus.

    Inzwischen hatte man in Anbetracht der Tatsache, daß an eine blau-gelbe Tracht vorerst nicht zu denken war, grün-rot-längsgestreifte Jerseys bestellt. Ein gelbes C auf der Brust wies sie als Cometen aus. Von der aufgelösten „Fortuna" erstand man die ersten Tore, denen sehr bald Fahnenstangen folgen sollten.

    Der Spielbetrieb nahm nunmehr eine gewisse Regelmäßigkeit an, ohne in irgendeiner Weise mit dem heutigen verglichen werden zu können. So schien es, als läge die sportliche Zukunft hoffnungsfroh vor dem S.C. Comet.

    Nach zwei Jahren begeistertem Spiel jedoch traten die ersten Schwierigkeiten auf. Die Älteren, als frischgebackene Gesellen auf die Wanderschaft gehend, konnten ebensowenig ersetzt werden, wie die Kameraden, die ihren Wehrdienst zu erfüllen hatten. Der Führung und ihrer besten Spieler entledigt, sah man sich gezwungen, den Spielbetrieb vorerst einzustellen.

    Ein Zusammengehen mit dem ebenfalls am Orte ansässigen Verein „Preußen", der mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, unter dem Namen 1. Dietrichsdorfer Fußballclub von 1910, erwies sich als nicht lebensfähig. 1910 stellte man den Betrieb ein. Ein hoffnungsfrohes Beginnen fand damit ein vorläufiges Ende, wie gesagt, ein vorläufiges...


    Gründungsjahr 1912


    „Darum auf, blau-gelbe Scharen,
    reicht euch die Bruderhand,
    denn die anderen solln's erfahren,
    daß Cometen wir genannt."


    Im Spätsommer I912 fanden sich wiederum „Junge Bauvereiner" — so wurde das im heutigen Neumühlen-Dietrichsdorf integrierte Baugebiet Helenenstraße, Georgstraße und Herrmannstraße damals genannt — zusammen, um einen erneuten Versuch einer Vereinsgründung zu unternehmen. Gründungsort war die Sattlerwerkstatt von Willi Geest. Der 2. Versuch, wie wir heute wissen, gelang. Der Verein erhielt wiederum den Namen S.C. Comet.

    Zum ersten Vorsitzenden wurde Albert Ziehe gewählt. Man beschloß eine Satzung und ein Beitragsgeld. Als Vereinslokal wurde wiederum die Gaststätte „Hohenrade" benannt.

    Der Spielbetrieb wickelte sich, wie gehabt, in Ermangelung eines Sportplatzes auf den Wiesen der Bauern oder in den genügend vorhandenen Kiesgruben ab. Im Winter wich man häufig auf die abgeernteten Felder aus, jedoch immer ohne die Zustimmung der jeweiligen Besitzer der als Sportplatz genutzten Flächen.

    Die heute zum Standard gehörenden Sportgeräte standen auch dem „neuen" S.C. Comet nicht zur Verfügung, und so mußte man sich mit behelfsmäßigen Toren, Begrenzungspfählen usw. begnügen.

    Der Tendenz dieser Jahre entsprechend, stieg die Mitgliederzahl dieses jungen Vereins sehr schnell. Schon nach kurzer Zeit konnte man 3 Mannschaften aufstellen.

    Vorerst spielte man untereinander, um sich dann nach einer gewissen Zeit mit dem F.C. Schwentinemünde und dem Ellerbeker F.C. zu messen. Nach einem Jahr bereits fand in der Leitung des Vereins der erste Wechsel statt. Albert Ziehe trat den Vorsitz an Karl Leichsenring ab. Die Finanzen des S.C. Comet erlaubten es nunmehr, eine Tracht zu bestellen, man spielte fortan in blauen Hemden mit gelbem Kragen und in weißen Hosen.

    1914 unternahm der „Arbeiter Turn- und Sportbund" (ATB) einen Versuch, den S.C. Comet in seine Organisation aufzunehmen. Ohne dem ATB beizutreten, einigte man sich auf folgenden Kompromiß: Der S.C. Comet nimmt an den Pflichtspielen des ATB teil. Mangels eines Sportplatzes finden sämtliche Spiele auf den Plätzen der Gegner statt. Der S.C. Comet unterwirft sich den Regeln des Bundes.

    Mit dieser Vereinbarung war der erste Schritt zu einem geregelten Spielbetrieb getan.

    Im Herbst 1914 hatte diese junge Gemeinschaft ihre erste schwere Bewährungsprobe zu bestehen. Der l. Weltkrieg war ausgebrochen und forderte den Einsatz der Jugend des damaligen „Kaiserlichen Deutschlands". Obwohl nun viele seiner noch jungen Führungskräfte nicht mehr zur Verfügung standen, konnte der gerade begonnene Spielbetrieb noch bis 1916 aufrecht erhalten werden. Dann aber waren fast alle Cometen zum Militär eingezogen worden, und der Moloch „Krieg" ließ keinen Raum mehr für sportliche Interessen.

    „Ob es regnet, stürmet, schneiet,
    ob es blitzet oder kracht,
    Fußballspiel hat uns vereinet,
    haltet hoch den Sport mit Macht."


    Letzte Änderung 23.04.2004








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    Publiziert am: 2004-04-23 (3297 mal gelesen)

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